Kurzer Abriss seines Lebens

Ludwig Barnay (eigentlich: ''Ludwig Weiß'', Pseudonym Lacroix, geb. 11. Februar 1842 in Pest (gehört heute zu Budapest) gest. 31. Januar 1924 in Hannover. Zu seinen Ehren wurde der ehemalige Laubenheimer Platz (1909-1963) in der Künstlerkolonie am 1.11.1963 umbenannt in Ludwig-Barnay-Platz.
Ludwig Barnay war der Sohn eines Synagogenkantors. Er war Schauspieler und später auch Theaterleiter.

Werdegang

Er debütierte 1860 unter dem Namen "Lacroix" in Trautenau in Böhmen. Dann ging er ging nach Pest und ans Burgtheater Wien, seit 1862 war er Mitglied der Vereinigten Theater Pest-Ofen. Spätere Engagements waren: Landestheater in Graz, ab 1863 Gastspiele in Mainz, Prag, Riga und am Stadttheater in Leipzig, 1868 am Hoftheater Weimar.
Ludwig Barnay war im Jahre 1870 ein noch verhältnismäßig unbekannter Schauspieler am Stadttheater zu Frankfurt am Main. Damals, so bekannte er, bestimmte deshalb das Motto: "Wir sind nichts - was wir wollen, ist alles" seine Handlungsweise, er stand uneigennützig im Dienste der Sache, einer unter vielen Gleichgesinnten.
Er war der Gründer und Ehrenpräsident der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (1870) – der ersten Interessengemeinschaft für Schauspieler. Barnay, der Initiator, konnte sich in seiner Arbeit auf eine große Tradition berufen. Konrad Ekhof’s und F. L. Schröder’s Bemühungen galten diesem Ziel: die Schauspieler von wirtschaftlichen Nöten zu befreien, sie zu vereinigen, zu bilden und ihr Standesbewußtsein zu stärken, um ihnen gesellschaftliche Achtung und bürgerliche Anerkennung zu verschaffen. Dieser Gedanke ist seither nie mehr vergessen worden, immer wieder fanden sich Männer, die versuchten, ihn zu verwirklichen. Die Jagd nach persönlichen Erfolgen und die Sucht, als Einzelner zu glänzen, untergruben Standesgeist und Gemeinsinn, soziale Grundsätze, für welche die führenden Schauspieler des 19. Jahrhunderts, von der "Neuberin" bis zu Iffland, gekämpft hatten.
Die Interessen der Arbeitgeber vertrat seit 1861 der ''Deutsche Bühnenverein'' der als Vereinigung aller Theaterdirektoren unter dem Vorsitz des Intendanten der Königlichen Schauspiele Botho von Hülsen stand. Es existierte aber kein Verband, der für die Rechte der Arbeitnehmer eingetreten wäre. Deshalb verfolgte er zielgerichtet die Wahrnehmung der Interessen der Schauspieler, und so kam es 1870 zur ersten Interessengemeinschaft der Schauspieler, der GDBA. Gemeinsam mit Adolf l'Arronge (eigentlich Aaron, 1838-1908) gründete er am 29.9.1883 die Sozietät Deutsches Theater im Hause des Friedrich-Wilhelmstädtischen Theaters in der Schumannstraße 13a in Berlin und blieb dort bis zum 24.6.1884, am 1.7.1984 beendete er auch seine Funktion als Leiter der Sozietät. Er war Gründer und Leiter des Berliner Theaters in der Charlottenstraße in Kreuzberg (1888-94). Nach seiner Tätigkeit als Direktor des Berliner Theaters lebte Ludwig Barnay in Wiesbaden. Barnay wurde Geheimer Intendanz- und Hofrat und leitete seit 1906 das Königliche Schauspielhaus in Berlin und von 1908 bis 1912 das Hoftheater in Hannover. Dort ist er am 31. Januar 1924 gestorben.
Seine ständige Adresse im Schauspielerkatalog von 1906 ist angegeben als Berlin NW., Kronprinzenufer 24, danach Charlottenburg, Kurfürstendamm 46.

Besondere Engagements und Rollen

Uriel Acosta, Tell, Essex, Othello, Marc Anton, Lear, Hamlet, Kean, Wallenstein, Holofernes, Graf Waldemar, Egmont etc.

Zum Buch "Erinnerungen"

1903 erschienen erstmalig seine »Erinnerungen« (aktuell: Henschel-Verlag Berlin 1953), von denen der Schauspieler Siegwart Friedmann mit Recht sagte, sie seien interessant, "weil keiner eine so eingehende Charakterisierung über Barnay hätte schreiben können als Barnay selbst".

Zitat: 'Juristen, Ärzte, Maler, Architekten, Bäcker, Schuster und Schneider und Gott weiß was für Künste und Gewerbe tagen seit Jahren in Deutschland und genießen den Segen ihrer Assoziatonsbestrebungen. Warum wollen wir Schauspieler denn gar nicht zur Erkenntnis unseres Standesbewußtseins gelangen, warum sollen wir nicht die Gelegenheit ergreifen, uns auch einmal über unsere nächsten künstlerischen und materiellen Interessen aussprechen. Der zitierte Artikel bezeichnet den Beginn der Geschichte der »Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger« als eines Verbandes, der in den Jahren der stärker und stärker sich entwickelnden Arbeiterbewegung die Gedanken und Anliegen der Väter der deutscher Schauspielkunst verwirklichte und der im Laufe der Zeit immer mehr zu einer sozialen Kampforganisation wurde.'

Der zitierte Artikel bezeichnet den Beginn der Geschichte der »Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger« als eines Verbandes, der in den Jahren der stärker und stärker sich entwickelnden Arbeiterbewegung die Gedanken und Anliegen der Väter der deutscher Schauspielkunst verwirklichte und der im Laufe der Zeit immer mehr zu einer sozialen Kampforganisation wurde.

 

Siehe auch: Straßennamen

 

Ludwig Barnay

Ludwig Barnay

geb. am 11. Februar 1842 in Pest (Budapest)
gest. am 31. Januar 1924 in Hannover

Schauspieler und Regisseur

Juli 1871: Gründer der Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger
1906: Leiter d. Königl. Schauspielhauses Berlin
1908: Leiter d. Hoftheaters Hannover