Gedenktafeln

Derzeit (Stand 2014) werden zehn Persönlichkeiten durch Gedenktafeln an ihren ehemaligen Wohnstätten in der Künstlerkolonie geehrt.

Es ist wichtig sich zu vergegenwärtigen, dass es sich nicht um Vereinzelte handelt, sondern um eine repräsentative Auswahl von Frauen und Männern, die in der von den Nazis als "bolschewistisch" verschrieenen Künstlerkolonie oft in regem Kontakt miteinander standen.

Manche verbrachten die ersten Jahre nach dem Kriege in der DDR, wo sie hofften, daran mitzuarbeiten, eine neue, bessere Welt aufzubauen. Eine ganze Reihe von ihnen wurde enttäuscht, und sie siedelten später in die Bundesrepublik über. Die in der DDR blieben, standen dem Regime nicht unbedingt uneingeschränkt positiv gegenüber, so z. B. Ernst Busch, dem man auf Grund seiner Popularität aber nichts anhaben konnte. Umgekehrt bedeutete die Übersiedlung nach dem Westen auch nicht unbedingt eine Bejahung der hiesigen gesellschaftlichen Verhältnisse, vielmehr begriffen sich angesichts der Restauration alter Machtstrukturen viele als "Zornige alte Männer" (Axel Eggebrecht).

(Alle Fotos dieser Seite: rk)

 

Ernst Bloch, Kreuznacher Str. 52

Gedenktafel Ernst BlochHier lebte von 1931 bis 1933
ERNST BLOCH
8. 7. 1885 - 4. 8. 1977

Philosoph, begann hier sein Werk "Erbschaft dieser Zeit".
Seit 1933 im Exil, zuletzt in den USA, schrieb dort
"Das Prinzip Hoffnung". Seit 1949 Professor in Leipzig,
wurde dort 1957 zwangsemerittiert.
Seit 1961 Professor in Tübingen.

Enthüllt am 27. 11. 1991

Ernst Bloch

Ernst Busch, Bonner Str. 11

Gedenktafel Ernst BuschHier lebte von 1931 bis 1933
und von 1945 - 1946
ERNST BUSCH
22. 1. 1900 - 8. 6. 1980

Schauspieler und Regisseur,
Sänger politischer Lieder: "Barrikaden-Tauber"
Emigrierte 1933. Von 1943 bis 1945 in Gesapo-Haft.
Seit 1950 Mitglied des "Berliner Ensemble".

Enthüllt am 8. 6. 1990

«durch Bezirksbürgermeister Horst Dohm und den Leiter des Ernst-Busch-Hauses, Erwin Burkert. Der Schauspieler und Vorsitzende des Vereins KünstlerKolonie e.V., Holger Münzer, sang zwei populäre "Ernst-Busch-Lieder".» [Zitat: Gedenktafeln in Berlin]

Ernst Busch

Axel Eggebrecht, Bonner Str. 12

Gedenktafel Axel EggebrechtHier lebte von 1931 - 1933
AXEL EGGEBRECHT
10. 1. 1899 - 11. 7. 1981

Schriftsteller und Journalist

In den 20er Jahren Mitarbeiter der "Weltbühne"
und der "Literarischen Welt"

Wegen seines radikaldemokratischen Engagements wurde er 1933
für einige Monate im KZ Hainwalde inhaftiert

1945 Mitbegründer des Nordwestdeutschen Rundfunks in Hamburg
Kommentator und Hörspielautor des NDR

Enthüllt am 23. 5. 2000

Gestiftet vom NDR; enthüllt von Bezirksbürgermeister Michael Wrasmann und NDR-Intendant Jobst Plog.

Axel Eggebrecht

Walter Hasenclever, Ludwig-Barnay-Platz 3

Gedenktafel Walter HasencleverHier lebte von 1930 - 1932
WALTER HASENCLEVER
8. 7. 1890 - 21. 6. 1940

Lyriker, Dramatiker, Repräsentant der expressionistischen
Literatur-Revolte: "Der Sohn" (1914). 1917 Kleist-Preis.
Kehrte Ende 1932 nicht mehr nach Deutschland zurück, blieb
als Emigrant in Italien und Frankreich.
Nahm sich aus Furcht vor der Auslieferung an die Gestapo
im Internierungslager Les Milles das Leben.

Enthüllt am 27. 11. 1991

Walter Hasenclever

Peter Huchel, Kreuznacher Str. 52

Gedenktafel Peter HuchelHier lebte von 1931 - 1933
PETER HUCHEL
3. 4. 1903 - 30. 4. 1981
Lyriker, Hörspielautor

Vertreter einer sozial und politisch geprägten Lyrik.
1949 bis zum erzwungenen Rücktritt 1962
Chefredakteur der Literaturzeitschrift "Sinn und Form".
Nach neun Jahren Isolation und Überwachung
1971 Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland.

Enthüllt am 9. 4. 2003

Diese Tafel wurde zusammen mit der Gedenkttafel für Erich Weinert in der Kreuznacher Str. 34 enthüllt. Dies ging auf eine Intitiative des KünstlerKolonie Berlin e.V. zurück. Gestiftet wurden die Tafeln von der Hauseigentümerin Deutschbau Immobilien-Dienstleistungs-GmbH. Die Rede der Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen kann auf berlin.de eingesehen werden; wir geben sie hier als:
Download Rede Monika Thiemen pdf-Dokument

Peter Huchel

Helene Jacobs, Bonner Str. 2

Gedenktafel Helene JacobsIn diesem Hause lebte von 1935 bis zu ihrem Tode
die Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus

HELENE JACOBS
25. 02. 1906 - 13. 08. 1993

Sie versteckte in ihrer Wohnung untergetauchte Juden und
verhalf ihnen zur Flucht. Sie wurde von der Nazi-Justiz
zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.

Berlin, im April 1997

Enthüllt am 29. 4. 1997

Gestiftet von der Berliner Geschichtswerkstatt e.V.

Helene Jacobs

Alfred Kantorowicz, Kreuznacher Str. 48

Gedenktafel Alfred KantorwiczIn diesem Haus der ehemaligen Künstlerkolonie
lebte von 1931 bis 1933

ALFRED KANTOROWICZ
12. 8. 1899 - 27. 3. 1979

Literaturwissenschaftler und Schriftsteller,
emigrierte 1933 über Frankreich in die USA.
Mitbegründer der Exilorganisation
"Schutzverband Deutscher Schriftsteller",
seit 1946 in Berlin (Ost),
1947 bis 1949 Herausgeber der Zeitschrift "Ost und West",
seit 1957 in der Bundesrepublik Deutschland.

Enthüllt am 15. 7. 1989

Alfred Kantorowicz

Eva Kemlein, Steinrückweg 7

Gedenktafel Eva KemleinIn diesem Haus lebte von 1952 bis zu ihrem Tode
EVA KEMLEIN
4. 8. 1909 - 8. 8. 2004
Fotografin

Die Fotojournalistin erhielt 1933 als Jüdin Berufsverbot
Als Zwangsarbeiterin entzog sie sich 1942 der Deportation
durch ein Leben im Versteck und war im Widerstand
gegen den Nationalsozialismus aktiv
Ab 1945 dokumentierte sie mit ihrer Kamera den Wiederaufbau
Berlins und das Kulturleben in Ost und West
Ihrer Leidenschaft, der Theaterfotografie, ging sie bis zuletzt nach

Enthüllt am 20. 8. 2014

Eva Kemlein

Steffie Spira, Bonner Str. 9

Gedenktafel Steffie SpiraHier lebte von 1931 bis 1933
STEFFIE SPIRA
2. 6. 1908 - 10. 5. 1995

Schauspielerin, Mitglied der "Truppe 31",
Exil in Frankreich und Mexiko, Rednerin
auf der Alexanderplatz-Demonstration am 4. 11. 1989.

"So, wie es ist, bleibt es nicht!"

Enthüllt am 6. 6. 2009

Gestiftet vom Freundeskreis Ernst Busch e.V. Bei der Einweihung war der Sohn Steffie Spiras, Thomas Ruschin, anwesend; die Rede hielt Sozialstadträtin Martina Schmiedhofer. Sie kann auf berlin.de eingesehen werden, wir veröffentlichen sie hier als
Download Rede Martina Schmiedhofer pdf-Dokument

Steffie Spira

Erich Weinert, Kreuznacher Str. 34

Gedenktafel Erich WeinertHier lebte von 1931 bis 1933
ERICH WEINERT
4. 8. 1890 - 20. 4. 1953
Politischer Satiriker, Zeitdichter, Essayist
Antifaschist, geliebt und verfolgt

Exil Frankreich und Sowjetunion, Spanienkämpfer.
Präsident des Nationalkomitees "Freies Deutschland".
Gründungsmitglied der Akademie der Künste.

Enthüllt am 9. 4. 2003

Die Tafel wurde zusammen mit der Tafel für Peter Huchel eingeweiht, s. o.

Erich Weinert

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