1. Der Barrikaden-Tauber

Ernst Busch wurde am 22. Januar 1900 in Kiel geboren. Er erlernt den Beruf des Maschinenschlossers und arbeitet bis zu seiner Entlassung 1921 auf der Kieler Werft. Schon 1919 hatte er begonnen, Schauspiel- und Gesangsunterricht zu nehmen.

Nach verschiedenen Auftritten in Theatern in Kiel und in Frankfurt/Oder beginnt 1927 seine Theatertätigkeit in Berlin. Hier wird er eine der schillerndsten Persönlichkeiten des Theater- und Sängerlebens des Berlins der Weimarer Zeit. Genannt seien hier nur vier Stationen seiner Karriere:

  • 1927 eröffnet die Piscator-Bühne am Nollendorfplatz mit dem Stück "Hoppla, wir leben!", in dem Busch die Rolle des Albert Kroll spielt.
  • 1928 erhält er eine kleine Rolle in der "Dreigroschenoper" im Theater am Schiffbauerdamm.
  • 1929 tritt er als Sänger in einer Kurt-Tucholsky-Matinee in der Piscator-Bühne auf.
  • 1932 spielt Busch den Fritz in dem Film "Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt", worin er auch das "Solidaritätslied" (Text: Bertolt Brecht, Musik: Hanns Eisler) singt.

Busch trat zudem bei vielen Veranstaltungen der Arbeiterbewegung als Sänger auf, und schnell erhielt er den Ruf des Barrikaden-Taubers.

Stationen seines Lebens:

  • 1927 Umzug nach Berlin.
  • 1931 Einzug in die Künstlerkolonie Bonner Str. 1.
  • 1932 Heirat mit Eva, gemeinsame Wohnung in der Ende 1931 angemieteten Wohnung in der Bonner Str. 11.
  • 1933 Nach dem Reichtagsbrand im Freburar Flucht nach Holland.
  • 1935 Nach Auftritten in vielen europäischen Ländern Eintreffen in Moskau.
  • 1936 Erstes öffentliches Konzert von ЗРНСТА БУШ in Moskau am Konservatorium.
  • 1937 Spanischer Bürgerkrieg: Internationale Brigaden.

Abb.: Busch in Spanien


Spaniens Himmel breitet seine Sterne
Über uns're Schützengräben aus
Und der Morgen grüßt schon aus der Ferne
Bald geht es zum neuen Kampf hinaus

Abb.: Busch (2. v. r.) in Albacete
Abb.: Hoffmann, Siebig: "Ernst Busch", Berlin-DDR 1987, S. 185

  • 1937, 27. April. Der "Deutsche Reichsanzeiger" gibt bekannt, dass Busch "der deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig" erklärt wurde.
  • 1938, Juli. Busch verläßt Spanien. Exil in Belgien, Antwerpen.
  • 1940 Nach dem Einmarsch der Deutschen wurden die Flüchtlinge in Belgien in Güterzügen in den unbesetzten Teil Frankreichs verfrachtet und dort in Lagern interniert. Busch kommt dort ins Camp de Gurs (Pyrenäen).
  • 1943 Überführung durch die Gestapo nach Berlin. Dort wird er vor dem Moabiter Gericht zu 4 Jahren Zuchthaus in Brandenburg verurteilt. Das relativ milde Urteil geht auf eine Intervention Gustav Gründgens zurück.
  • 1944 Mit einer schweren Kiefernverletzung durch Misshandlungen in Brandenburg 1944 durch sowjetische Truppen befreit.
  • 1945 Busch zieht wieder in die Wilmersdorfer Künstlerkolonie ein.
  • 1949, Oktober. Übersiedlung nach Treptow in den sowj. Sektor der Stadt.
  • 1957 Berliner Ensemble am Schiffbauerdamm: "Das Leben des Galilei" von Bertolt Brecht; Musik: Hanns Eisler; Regie Erich Engel.

 

 

Ernst Busch

Abb.: Ernst Busch
Abb.: Busch als Semjon Labkin
in "Die Mutter" von Bertolt Brecht;
Gastspiel des Berliner Ensembles
in der Wiener Scala, 1951

geb. 22. Januar 1900 in Kiel
gest. 8. Juni 1980 in Bernburg (Saale)

Schauspieler und Sänger

Bonner Str. 1 (1931)
Bonner Str. 11 (1931-33, 1945-46)
Laubenheimer Platz 1 (1946-49)