Nachrufe

Klaus Neumcke - ein Sänger mit "Brüchen"
Ein Nachruf

Wohnhaft in der Künstlerkolonie, Bonner Str. 1a von 1980 bis 2006

 

Abb.: Klaus Neumcke

Sein Leben war voller Brüche. Der am 24. März 1931 geborene Klaus Neumcke entstammte zwar einer Familie, in der Musik großen Stellenwert hatte – Mutter Sängerin, Großvater Cellist in der Dresdner Staatskapelle – jedoch war sein persönlicher Weg zum Sänger, als erstes von vier Kindern in einem sehr konfliktreichen Verhältnis zum Vater, kein einfacher.

So lernte er auch erstmal den Beruf des Uhrmachers, bevor es nach dem Gesangsstudium in die harte Schule von Walter Felsenstein an der Komischen Oper in Berlin ging. Von dort kam er – damals noch als Bariton – an kleine Theater der DDR, um viele Fachpartien in Oper und Operette zu singen.

Die für ihn sicher am beeindrucktesten und prägenden Erlebnisse in dieser Zeit waren die gemeinsamen Vorstellungen mit dem berühmten Tenor Helge Roswänge, mit dem er einige Male auf der Bühne stand; z.B. als René in Verdis „Maskenball“.

Sein ganzes Leben hat Klaus Neumcke diesen Sänger sehr verehrt und viel von ihm erzählt.

Am gleichen Theater verbandelt mit einem Operetten-Tenor wurde es in der damaligen DDR doch etwas zu eng, und kurz vor dem Mauerbau entkamen die Beiden rechtzeitig nach West-Berlin.

Die ganz anderen Anforderungen und das „Nicht-mehr-an-die-Handgenommensein“ führten nun zum ersten Bruch. Nicht nur, dass der Lebenspartner völlig überraschend starb, es lief auch einfach nicht so weiter, wie man es gewohnt war. Auch zeichnete sich ein Fachwechsel vom Bariton zum Tenor ab, und man musste sich um Engagements kümmern. Nach einigen Stückverträgen und weiterer Ausübung seines Erstberufes griff Klaus Neumcke dann zur sicheren Stelle eines Chor-Tenores am Theater des Westens.

Mit der so erlangten „Rückenfreiheit“ entfaltete Klaus Neumcke dann bis in die 90er-Jahre viele Initiativen, sang viele klassische Konzerte, schrieb Drehbücher für Filme, gründete einen Opern-Verein namens „Opera piccola“, in dem viele junge Sänger ihre ersten Schritte tun konnten. Er zeichnete sich stets durch sein großes soziales Engagement aus.

Die „Opera piccola“ wurde nach einigen Jahren in den Verein KünstlerKolonie Berlin e.V.
integriert, hat aber nach insgesamt zehn Jahren unter der engagierten und fachlichen Leitung von Klaus Neumcke die Arbeit nicht weiterführen können. Klaus hatte aus gesundheitlichen Gründen seine Tätigkeit aufgegeben.

Der nächste große Bruch kam durch einen völlig überraschenden Schlaganfall 2005, der ihn fast aller seiner künstlerischen Möglichkeiten beraubte. Mit dem Singen war es durch die Lähmungserscheinungen mit einem Schlag zu Ende, und der so umtriebige Mensch war von da an sehr an sein zu Hause gefesselt.



Nach verschiedenen Lebenspartnern seit der Zeit der 60er Jahre, stand nun aber bis zu seinem letzten Tag der Mann an seiner Seite, mit dem er schon länger verbunden war und mit dem er zwei Jahre vor seinem Tod den Lebensbund einging. Sein Ehemann pflegte ihn, als weitere Schlaganfälle ihm die Freude am Leben nach und nach genommen haben und am 2. Januar 2015 das Leben selbst.

Mit Klaus Neumcke ist einer von uns gegangen, der seltsam altmodisch, aber auch unglaublich liebenswürdig, stets fröhlich mit seinen Mitstreitern, sehr selbstlos seine Lebenszeit in die Theaterwelt gegeben hat.

Mit Lachen und Weinen, wie es auch der Ring darstellte, den er – selbstgefertigt – stets am Finger trug.